Das "Rolling Stone"-Magazine hat Britneys "Telephone" unter die Lupe genommen und kommt zu folgender Bewertung:
Britney Phone Home: Wieso Spears' "Telephone" das von Lady Gaga um Roboter-Meilen schlägt
By Rob Sheffield
Seit Britney Spears' Demo-Version von Lady Gagas "Telephone" in dieser Woche leakte, summen Fans vor sich hin. Produzent Rodney Jerkins bestätigte fix, dass es wirklich von Britney gesungen wird, aber jeder Britneyologe konnte das bereits innerhalb weniger Takte mit eigenen Ohren identifizieren - denn niemand anders betont den Konsonant "r" oder das lange "e" so wir unser Mädchen. Sie verfügt über alle stimmlich unverkennbare Zeilen von Britney oder zumindest vom Laptop, der den Gesang verändert hat. Genau aus diesem Grund liebe ich Britneys Demo noch mehr als die schon brillante Version von Lady Gaga. Obwohl es eine viel schlichtere Produktion ist, steigert sich der Song zu einer brodelnden Begeisterung, die sich in einer Killer-Kombination aus gezupfter Harfe und abgebrühter Partylaune durch Auto-Tune und Paranoia entlädt.
"Telephone" klingt außerdem ziemlich nach Britneys 2007er Hit "Piece of Me", was einmal mehr beweist, wie viel Einfluss Britney auf die aktuelle Popmusik hatte und noch hat. Manche machen sich gerne lustig über Britney, warum auch nicht, aber wenn "Telephone" eines beweist, dann die Tatsache, dass "Blackout" das einflussreichste Pop-Album der letzten fünf Jahre gewesen ist. Die Demo klingt zwar heller als Gagas Produktion, da sämtliche Rock-Fülle fehlt, aber genau das macht das Lied geradliniger und eindrücklicher. Es reduziert "Telephone" auf eine trommelnde Maschine, die Harfen und eine Zauberkiste voller stimmlicher Effekte vereint. Und das Konzept, das die Seele eines Mädchens mit einer Zauberkiste von stimmlichen Effekten vereint, kann manchmal eine perfekte Einheit bilden.
Britney nutzt Auto-Tune in der Art und Weise wie Bob Dylan seine Mundharmonika benutzt - zielgerichtet sowie zu Gunsten von Atmosphäre und einem außerirdisch seltsamen Sound-Effekt. Es ist eine Wucht aus stimmlicher Verzerrung, aber ausdrucksstark und dazu fähig, lustig-wild oder heftig angepisst oder verführerisch zu klingen. In "Telephone", ebenso wie in "Piece Of Me", erledigt Auto-Tune für ihre Stimme genau das, was die Mundharmonika für Bob Dylans "It Ain't Me Baby" tut - es ist eine Art der Welt zu sagen, sie soll ihre Hände von ihr lassen. Britney spricht mit ihrem Telefon, spricht mit einem Typen, der sie immer wieder anruft, sie spricht mit sich selbst. Die Art, wie ihre Stimme mit und ohne Auto-Tune (meistens mit) auskommt, ist total brillant. Wie Bob Dylan (ich schwöre, dass ich seinen Namen jetzt zum letzten Mal nennen werde, obwohl er mit Brit Millionen Dinge gemeinsam hat) liebt es auch Britney, eine menschliche Stimme (Hey Welt, schau mich an, ich bin ein Star, ich bin wer, beachte mich) mit der Stimme einer Maschine zu überblenden (Hey Welt, leck mich, keiner kann mich je erreichen, ich glaube dir nicht, du Lügnerin).
Der springende Punkt ist dabei nicht der, ob Britney die Knöpfe selbstständig drückt (als ob das überhaupt ein Popstar selbst tut). Es geht vielmehr um die romantische Verbindung zwischen der Stimme und der Maschine. Ein Teil dessen, der Britney zum perfektesten aller perfekten Popstars macht, ist die Art und Weise, wie sie ihre Persönlichkeit leidenschaftlichst ausdrückt, wenn sie sich selbst in eine Maschine verwandelt - sie gibt sich dem Beat hin, verschwindet in einem fesselnden Pop-Moment und singt wie ein Roboter. Genau das lässt sie letztendlich so menschlich klingen. In "Telephone" möchte sie an nichts mehr denken, nicht mehr sprechen, nichts mehr fühlen - sie möchte einfach nur noch auf die Tanzfläche und zum Rhythmus der Maschinen tanzen, bis sie sich selbst in eine Maschine verwandelt.
Nichts könnte die Britney-Kosmologie besser ausdrücken als ein Telefon-Song, da Sänger in Telefon-Liedern ihre Stimme meistens so verzerren, als seien sie am anderen Ende der Leitung - meine Favoriten sind darüber hinaus wohl ELOs "Telephone Line," Kraftwerks "The Telephone Call," oder auch "Make It Hot" von Missy Elliott, Timbaland und Nicole Wray. Aber es eignet sich ideal für Britney - ganz besonders, wenn das Telefon-Lied zu einer "Ich bin im Club und stürze mich auf seltsame Typen"-Hymne wird. Sie ist irgendwie biz-zaaay. Man kann sie nicht verletzen, man kann sie nicht einmal berühren. Und man erreicht sie nicht übers Telefon.
Ich verunglimpfe keineswegs Gagas Version - ich könnte ohne sie nicht leben, ganz besonders nicht wegen ihres epischen Videos mit Beyonce. Aber "Telephone" ist so sehr Britney, dass es keine große Überraschung ist, dass Gaga das Lied für sie schrieb. Da Britney der perfekte Popstar ist und Lieder über Telefone immer exzellent sind, ist es nur eine einfache mathematische Formel, dass Britneys "Telephone" der perfekte Pop-Song ist. Und die Welt ist definitiv ein stückweit besser geworden, weil diese Version existiert.
Bizarre Anmerkung am Rande: Trotz der Fortschritte in der Telefon-Technologie in den vergangenen 25 Jahren enden beide Versionen mit derselben Anrufbeantworter-Nachricht von den Replacements aus dem Jahre 1984 und ihrem Punk-Rock-Klassiker "Answering Machine". Das ist Britney - sie ist so Punk.
Quelle: Britneyland.de