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Samstag, 31. Dezember 2011, 01:58

Mein Name sei Gleichberechtigung


Will ihren Namen: Mizuho Fukushima, Chefin der Sozialdemokraten


Vor elf Jahren heiratete Ernie Kayama ihren Partner. Schon damals hatte die japanische Journalistin Bedenken – nicht wegen des Manns, sondern wegen des Namens. In Japan darf ein Ehepaar nur einen Nachnamen haben. Ernie Kayama dachte, sie könne offiziell den Namen ihres Manns und im Arbeitsleben ihren Namen tragen. Doch bald musste sie erkennen, dass das ein Irrtum war, dass sie doch immer seinen Namen angeben musste.

„Mein Name ist außergewöhnlich und Teil meiner Identität“, sagt sie. Deshalb ließ sie sich nach zwei Jahren scheiden. Jetzt lebt sie seit Jahren mit ihrem geschiedenen Mann zusammen. „Es ist schon etwas merkwürdig“, sagt sie. „Oft fragen uns Bekannte, ob wir noch immer im Scheidungsprozess sind.“ Das Zusammenleben ohne Trauschein hat auch Nachteile: Es gibt keine Steuervergünstigungen wie für Ehepaare und kein Erbrecht für die Partner. Kinder gelten als unehelich und müssen vom Vater adoptiert werden.

Name oder Hochzeit

Seit Jahrzehnten fordern vor allem berufstätige Frauen eine Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches, so dass nach der Heirat beide Ehepartner ihren Familiennamen weiterführen können. Die derzeitige Regelung sieht vor, dass der Name der Frau oder des Manns als Familienname zu wählen ist, Doppelnamen sind nicht gestattet. Gut 97 Prozent aller Paare wählen den Namen des Manns – das entspricht der Tradition, nach der die Frau in die Familie ihres Partners einheiratet. Der Name der Frau wird meist nur dann gewählt, wenn sie aus dem Adel kommt. In den Jahrzehnten der Herrschaft der Liberaldemokratischen Partei, in der die Männer das Kommando hatten, fand das Vorhaben der „zwei Familiennamen“ kaum Unterstützer in der Politik. Umso mehr gab es Hoffnung, als im Jahr 2009 die Demokratische Partei (DPJ) siegte, die im Wahlkampf versprochen hatte, dass das Recht geändert werden sollte. In der ersten Koalitionsregierung der DPJ unter Ministerpräsident Yukio Hatoyama wurde sogar Mizuho Fukushima, eine Kämpferin für die Sache, zur Ministerin für Gleichstellung und Verbraucherschutz ernannt.

Auch Mizuho Fukushima, als Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei eine der wenigen prominenten Politikerinnen Japans, lebt mit ihrem Partner seit Jahren unverheiratet zusammen. Als Anwältin und Abgeordnete hat sie sich einen Namen gemacht, den sie wegen ihrer Heirat nicht aufgeben wollte. „Ich bin froh, dass ich stur geblieben bin“, sagt sie in ihrem Abgeordneten-Büro im Tokioter Regierungsviertel Nagatacho. „Ich hätte es bereut, meinen Namen verloren zu haben.“

Auch die damalige Justizministerin der Demokratischen Partei war eine Befürworterin der neuen Namensregelung. Die Chancen für eine Änderung schienen also groß. Doch in der DPJ gab es Widerstand gegen die Reform. Und ein Koalitionspartner, die Neue Volkspartei mit ihrem Vorsitzenden Shizuka Kamei, stellte sich quer: zwei Familiennamen – das zerstöre die Familien und entspreche nicht der Tradition.

„Wir konnten uns im Kabinett nicht einigen“, sagt Mizuho Fukushima. Also blieb alles beim Alten. Unter Yoshihiko Noda, dem dritten Ministerpräsidenten der DPJ, steht das Thema nicht mehr im Vordergrund. Die Politiker der Demokratischen Partei, die gegen ein von der Opposition beherrschtes Oberhaus regieren, vermeiden es, mit kontroversen Themen noch mehr Debatten zu eröffnen. „Wir sind so enttäuscht“, sagt Mieko Mirai, eine Japanerin, die ihren Partner gar nicht erst heiratete, sondern mit ihrem Freund einen Brief an die Eltern schrieb, in dem es heißt, dass sie ohne Trauschein zusammenziehen wollten, so dass sie ihren Familiennamen behalten konnte.

Starre Strukturen

Um der Politik auf die Sprünge zu helfen, hat Ernie Kayama nun mit drei weiteren Frauen eine Klage angestrengt. Die Klägerinnen argumentieren, dass die Bestimmung gegen das in der Verfassung garantierte gleiche Recht für beide Ehepartner verstoße. Sie hoffen, dass das Gericht feststellt, der Gesetzgeber müsse handeln. Die Klage wird derzeit vor einem Bezirksgericht in Tokio verhandelt.

Die Reform wäre ein symbolischer Akt für die Gleichstellung der Frauen in Japan, sagt die Soziologin Chizuko Ueno. Japan hinkt in der Gleichstellung der Geschlechter noch hinter anderen Industrienationen her. Im Bericht „Gender Gap“ des World Economic Forum, der Wirtschaft, Bildung, Politik und Gesundheit unter Gleichstellungs-Gesichtspunkten bewertet, rangiert Japan in diesem Jahr auf Platz 98 von 135 Staaten. Damit liegt das Land unter dem internationalen Durchschnitt und sogar hinter dem Schwellenland China, das auf Platz 61 zu finden ist.

Nur acht Prozent der japanischen Unternehmen können Frauen in Führungspositionen aufweisen, im internationalen Vergleich sind es 20 Prozent. Von den Vorständen der größten 100 Unternehmen in Japan sind nur 1,4 Prozent weiblich. „Selbst wenn die Unternehmen Frauen in die Führung befördern wollten, fehlen ihnen die Kandidatinnen“, sagt Chizuko Ueno. Die Strukturen seien zu starr. Die Mitarbeiter müssen sich ganz der Firma widmen und kommen erst für höhere Posten in Frage, wenn sie ihrem Arbeitgeber 20 Jahre gedient haben. Das ist für Frauen mit Kindern kaum zu erreichen.

Auch in der Politik sieht es nicht viel besser aus. Der Einfluss von Frauen auf die Entscheidungen in der Politik liegt nach Angaben von „Gender Gap“ in Japan bei 7,2 Prozent gegenüber dem internationalen Durchschnitt von 18,5 Prozent. Zwar ist mit der Demokratischen Partei eine Reihe junger Frauen in das Parlament eingezogen. Doch schaffen sie es noch nicht in die Führungspositionen. Dem Kabinett Noda gehören nur zwei Frauen an. Auch in der DPJ fehlt es vielen Männern an Problembewusstsein. Ein stellvertretender Wirtschaftsminister sagte vor einem Jahr bei einer Konferenz über Frauen als Unternehmerinnen, dass japanische Frauen doch gerne im Haushalt arbeiteten und dies Teil der japanischen Kultur sei.

Väter arbeiten zu lang, Mütter oft gar nicht

Für Frauen mit Kindern ist Berufstätigkeit schwierig. Rund 70 Prozent aller Frauen in Japan geben nach der Geburt des ersten Kindes ihre Erwerbstätigkeit auf. Es gibt einen Mangel an Kindertagesstätten, und in der Gesellschaft ist die Meinung verbreitet, dass Frauen ihre Kinder besser selbst erziehen sollten. Erziehungsurlaub gibt es nur für Frauen in festen Arbeitsverhältnissen. Fast die Hälfte aller Frauen ist aber auf Zeit beschäftigt und hat somit keinen Anspruch auf Erziehungsurlaub.

Von den Männern kommt wenig Hilfe, obwohl auch hier die klassische Rollenverteilung aufweicht. Japanische Männer verbringen im internationalen Vergleich die wenigste Zeit mit Hausarbeiten und Kinderbetreuung. Die Männer arbeiten zu lang, klagt Mieko Mirai, die zwei Kinder in der Grundschule hat. Oft sehen die Väter ihre Kinder unter der Woche gar nicht. Und fast keiner der Väter nimmt Erziehungsurlaub. Im vergangenen Jahr wurde darum ein städtischer Angestellter groß als Rollenvorbild gefeiert: Er hatte nach der Geburt seines Kindes Erziehungsurlaub genommen – ganze zwei Wochen.

Quelle: Faz.net
† 02.02.2012 ~ You are eternal in my memories.

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